Suchen Fachhochschulabsolventen (nicht Vorarlberg!)

Anfangs der 1980er Jahren erschien in der Frankfurter Allgemeinen ein Stelleninserat das sich über die Innsbrucker Volks- und Betriebswirtausbildung - nicht ohne Grund - abfällig äußerte und durch den europäischen Medienwald ging. Es lautete meiner Erinnerung nach in der knappen Inseratensprache ungefähr so:

"Suchen Hochschulabsolventen der Betriebswirtschaft (nicht Innsbruck!)"
Dort hat sich die Ausbildung und das Niveau umgehend gebessert. So kann es nun aber auch den Fachhochschülern in Vorarlberg ergehen, wenn jemand die Äußerung des Vorarlberger Fachhochschuldirektors über die Studiengebühren unter die Lupe nimmt.

Blanker betriebswirtschaftlicher Unsinn. Aus den Studiengebühren will die Fachhochschule 600.000 Euro Beiträge lukrieren. Das Gesamtbudget beträgt 20 Millionen Euro. Die Schule ist - schon nur mit einem Kunstgriff - nur zu Dreiviertel ausgelastet. Man ist mit 900 Studierenden unter dem Plansoll von 1200 Studenten. Wie immer man den Fixkostenanteil bestimmt, er wird über der Hälfte des Budgets liegen, nehmen wir aber der Einfachheit halber an: dass die Fixkosten lediglich 10 Millionen Euro betragen, was ungemein niedrig dotiert ist. So und nun die Frage: Was sind die Fixkosten für 900 Studenten und was für 1200 Studenten?

Eine Fangfrage, die man offenbar in der Fachhochschule nicht beantworten kann. Vom Landhaus braucht man derart komplizierte arithemtische - noch nicht einmal mathematische - Rechenlösung nicht erwarten: Wegen der Nichtauslastung der Fachhochschule kostet jeder Student 11.111 Euro. Bei Auslastung von 1200 Studenten kostet jeder nur 8333 Euro jährlich. Das sind sage und schreibe 2778 Euro Unterschied, die sinnlos ins System gepumpt werden, nur weil man Behinderungen zum Zugang aufbaut. Den vielleicht 700.000 Euro Studiengebühren stehen 2,5 Millionen Fehlinvestitionen für einen "leerstehenden Maschinenpark" jährlich gegenüber. Jeder Betriebswirt würde versuchen bei bestehendem und zu finanzierendem Maschinenpark die "Stückkosten" durch Erhöhung der Stückzahl zu senken. Dies umsomehr, als die Nachfrage fast konkurrenzlos vorhanden ist.

Aber diese Rechnung könnte man allenfalls für eine Aufnahmsprüfung bei der Fachhochschule einreichen, nicht für die Verantwortlichen. Dabei ist die Rechnung immer noch fehlerhaft, denn der Fixkostenanteil ist hier wahrscheinlich zu niedrig gegriffen und die Studentenzahl mit Sicherheit zu hoch: Die Realität ist hingegen, dass nicht einmal eine Auslastung zur Hälfte gegeben ist, - so man dem Landesrechnungshof glauben darf - da diese spärliche Studentenzahl nur durch die Zwangsintegration der Sozialakademie in den Fachhochschulbetrieb zu erreichen war. Betriebswirtschaftlich hat man allerdings auch diese Maßnahme nie durchdacht, wie auch weiteres Einsparungpotential durch die Besserauslastung - etwa im Bereich der Erwachsenenbildung - vorhanden wäre. Von dem fehlenden und immer größer werdendem Ressourcenmangel an "Humankapital", von der dauerhaften Abwanderung Qualifizierter als Folge des Wohnortwechsels wegen des Studiums, muss angesichts der klaren betriebswirtschaftlichen Fehlkalkulation vorerst gar nicht weiter gesprochen werden.

Es ist das gleiche Bild wie bei der Diskussion um die Senkung der Mehrwertsteuer, wo auch eine Koalition der konservativen Parteien (ÖVP, Grüne, BZÖ), von denen man betriebwirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kenntnisse voraussetzen könnte, aus ideologischen, ja klassenkämpferischen Gründen eine solche verunmöglichte. Auch hier dasselbe Bild: Eine der Wirtschaft und ökonomischen Denken nicht grundsätzlich fernstehende Volkspartei bezahlt lieber aus den Steuermitteln aller, also auch derjenigen die vom Studium durch die Studiengebühr ferngehalten werden, jährlich mindestens 3000 Euro je Studenten in den Kamin statt auf die 700 Euro Studiengebühr zu verzichten.

Es ist zu hoffen, dass die Studenten dadurch nicht nochmals bestraft werden, denn der Inseratentext
"Suchen Fachhochschulabsolventen
(nicht Vorarlberg!)"
hängt bei einer derartigen Selbstkastration der Fachhochschule Vorarlberg förmlich in der Luft!

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